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menue kontrovers

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Essen hat immer auch eine politische Komponente. Das ist schon so seitdem es Märkte für Nahrungsmittel, Genussmittel, Gewürze und andere Produkte gibt. Status, Reichtum, Mangel, Hunger – vieles war und ist eine Frage der Verteilung und der Macht derjenigen, die darüber entscheiden. Zugleich ist Kochen eine der ältesten Kulturtechniken der Welt, verbunden mit der Lust am Genießen. Essen transportiert Traditionen, Erinnerungen, Geschichte und vieles mehr, das sich miteinander teilen lässt. Was passiert, wenn beide Aspekte zusammenkommen? Verändert das die Perspektive auf ein Thema? Möglich ist es.

Im August 2013 las ich in der Süddeutschen Zeitung einen Artikel über die „conflict kitchen“ in Pittsburgh. Im Take-away von Jon Rubin und Dawn Weleski gibt es ausschließlich Speisen aus Ländern, mit denen die USA im Konflikt stehen. Alle vier Monate wechseln die Karte und die Außenansicht des Bistros. Das Konzept hat mich sofort begeistert. Ich überlegte wie ich die Idee weiterspinnen und auf deutsche Bedingungen anwenden könnte. Herausgekommen ist schließlich menue kontrovers. „menue“, weil es darum geht, sich auf kulinarische Weise einzumischen. „kontrovers“, weil ich nicht an Patentrezepte glaube.

Mit menue kontrovers möchte ich Räume schaffen für den Blick auf Themen, die unsere Gesellschaft verändern. Das kann Deutschlands Rolle in Staaten sein, in denen Krieg herrscht. Oder Themen sein, die sich aus unserer Gesellschaft heraus ergeben. Zum Beispiel der demographische Wandel. Oder Inklusion. Oder Diversity. Das jeweilige Thema gibt vor, was gekocht wird. Und weil komplexe Fragen nicht mit einem Mal abgefrühstückt sind, dauert eine kulinarische Intervention idealerweise immer mehrere Wochen. Gerade als ich beschlossen hatte, menue kontrovers testweise in unseren eigenen vier Wänden zu starten, erhielt ich die Einladung vom Kunstraum B in Kiel, meine erste kulinarische Intervention zu unternehmen. Ohne zu zögern nahm ich an.