Zu Gast

Vier Wochen Blind Dates: Die Tafel ist gedeckt

Ein ungewohnter Duft weht die Wilhelminenstraße herauf. Faissal und seine Cousins werden an diesem Abend zu Falafelbäckern. Für die heißen, frisch eingerollten Falafelbällchen stehen die Gäste draußen gerne Schlange. Innen, im Kunstraum B, ist die Tafel nun komplett gedeckt: Die Zeugnisse aller Blind Dates haben ihren Platz gefunden.

Immer neue Gäste umrunden den langen Tisch, vertiefen sich in die Texte und Bilder, stehen lange vor den Interviews, manche helfen sich gegenseitig beim entziffern. Über allem ein munteres Stimmengewirr von Fragen, Antworten, Gesprächen auf arabisch, deutsch, englisch. Lachen. Dazwischen auch Nachdenklichkeit. Schließlich Stille. Statt Deckenlicht erhellen Kerzen den Raum. Alle rücken zusammen, lauschen Nai und Oud von Jafaar und Momen, lassen sich von ihrer Musik mittragen. Sie dringt hinaus auf die Straße, in die Nacht.

Das waren vier intensive Wochen! Wochen, in denen etwas in Bewegung gekommen ist. In insgesamt 13 Blind Dates sind sich Menschen aus Syrien und Deutschland begegnet, die sich vorher noch nie gesehen haben. Und noch mehr Menschen haben sich auf die Idee der kulinarischen Interventionen eingelassen: Köchinnen und Köche probierten syrische Rezepte aus, entwarfen Menüs, kreiierten Burger, überraschten damit auch ihre üblichen Gäste und lockten neue an. Unterstützerinnen und Unterstüzer meldeten sich, um Fahrten aus Wohnheimen zu organisieren, zusätzliche Blind Dates zu stiften oder anderweitig zu vernetzen. Und viele kamen in den Kunstraum B, um sich in die Texte der Installation zu vertiefen, Tee zu trinken, ihre Gedanken zu teilen.

Es schien, als habe sich ein Netz zwischen all den Orten gesponnen, spürbar als eine ebenso feine wie kraftvolle Energie, die wir alle miteinander entwickelt haben – und die hoffentlich über die Zeit des Projekts weiterschwingt, denn diese Energie brauchen wir auch in Zukunft!